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Linnich steht am Scheideweg

Linnich steht vor einer der wichtigsten Entscheidungen der jüngeren Stadtgeschichte: Verhelfen wir Linnich und seinen Ortschaften durch ein Integriertes Handlungskonzept (IHK) zu mehr Attraktivität oder verharren wir in der lähmenden Stagnation der letzten Jahre? Die jetzt aufgeworfene Kostendebatte darf darum die wichtigste Frage nicht überdecken: "Können wir es uns überhaupt leisten, auf das IHK zu verzichten?” Nein, meinen wir und appellieren an die gewählten politischen Vertreter, eine weise und mutige Entscheidung für ein tragfähiges IHK zu treffen.

Seit seiner Gründung im Jahre 2009 setzt sich der Stadtmarketingverein "Wir in Linnich" mit vielen kleineren und größeren Projekten für eine positive Entwicklung von Linnich und seinen Ortschaften ein. 2013 sind erste Ideen für eine flächendeckende Sanierung der Kernstadt entstanden, und 2014 hat die neu gegründete Arbeitsgruppe "Linnich.2030" ihre Arbeit aufgenommen. Schnell wurde klar, dass Fördermittel des Landes nur im Rahmen eines „Integrierten Handlungskonzeptes (IHK)“ gewährt würden. Ein IHK beinhaltet somit nicht nur die Sanierung von Straßen sondern Maßnahmen zur Verbesserung der Mobilität, der Stadtstruktur und des sozialen Lebens sowie insbesondere die Stärkung der des Wirtschaftsstandortes. Der Rat der Stadt Linnich beschloss am 24.02.2015 einstimmig, die Planungsgruppe MWM zu beauftragen, die Verwaltung bei der Erstellung eines Projektantrages zum IHK zu unterstützen. In insgesamt elf Sitzungen hat der „Arbeitskreis Innenstadtentwicklung“, dem unter anderem Vertreter aller Ratsfraktionen, der Verwaltung, des Stadtmarketingvereins und von MWM angehörten, den Projektvorschlag einschließlich Kostenabschätzung erarbeitet. Nun ist es an der Zeit, dass die Entscheider auch den nötigen Mut aufbringen müssen, das so dringend benötigte Sanierungskonzept zu beschließen. Dabei muss man folgendes erkennen:

Das IHK beziffert ein Investitionsvolumen von ca. 18 Mio. Euro in den nächsten 8 Jahren. Etwa 10 Mio. Euro Förderung könnte die Stadt erhalten, wenn sie einen Eigenanteil von 8 Mio. Euro aufbringt. Dies scheint auf den ersten Blick viel Geld zu sein und so mancher stellt sich die Frage: “Können wir uns das überhaupt leisten?” Die Verwaltung hat gerechnet und kommt zu dem Ergebnis, dass das IHK jeden Grundsteuerzahler mit lediglich 30 bis 90 Euro pro Jahr belasten würde. In summa bliebe Linnich damit noch immer im Mittelfeld der umliegenden Kommunen.

Angesichts dieser Zahlen wird klar, dass die eigentliche Frage eine ganz andere ist: “Können wir es uns überhaupt leisten, auf das IHK zu verzichten?” Denn der Sanierungsstau in der Linnicher Kernstadt ist unübersehbar, und die dafür dringend benötigten Investitionsmittel muss die Stadt in den nächsten Jahren auf die eine oder andere Art aufbringen. Vereinfacht ausgedrückt: Linnich muss die für das IHK benötigten Eigenmittel in den nächsten Jahren in die nötigsten Sanierungsmaßnahmen stecken, ohne eine Entwicklungsperspektive zu haben; oder Linnich investiert diese Summe in ähnlicher Höhe in das IHK und erhält weitere 10 Mio. Euro Fördermittel für eine nachhaltig positive Stadtentwicklung. All diese Berechnungen sind übrigens äußerst konservativ, denn Erlöse durch Grundstücksverkäufe oder potentielle Mehreinnahmen bei der Gewerbesteuer durch Investoren sind hierin nicht enthalten. Dabei gibt es bereits konkrete Gespräche mit Interessenten, die alleine aufgrund der Ankündigung des IHK in Linnich investieren wollen. Ein Scheitern des IHK würde diese positiven Entwicklungen im Keim ersticken.

Letztlich ist nicht zu verkennen, dass langfristig ein weiterer Verfall der Kernstadt auch abfärbt auf das Wohlergehen der zu ihr gehörenden Ortschaften. Eine Ablehnung des IHK für die Kernstadt nach mehr als einem Jahr Vorbereitung dürfte zudem auch die Chancen einer zukünftigen Förderung für die Ortschaften reduzieren und Linnich für eine lange Zeit einen prominenten Platz im “Schwarzbuch" der Bezirksregierung sichern.

Linnich steht also am Scheideweg und vor einer der wichtigsten Entscheidungen der jüngeren Stadtgeschichte: Entweder schaffen wir es alle zusammen, Linnich und seinen Ortschaften zu neuer Vitalität zu verhelfen oder wir gehen den Weg zurück in die lähmende Stagnation der letzten Jahre. "Wir in Linnich" appelliert daher an die gewählten politischen Vertreter, eine weise, eine mutige Entscheidung zu treffen. Wir sind davon überzeugt, dass viele Linnicher Bürger - nicht zuletzt durch die intensive Beteiligung in mehreren Bürgerversammlungen - sehr viel zuversichtlicher auf eine positive Umsetzung des IHK hoffen und das letztlich auch von ihren Vertretern im Rat der Stadt erwarten.